gartenunser.org

Just another permablog

   Mrz 06

gärten und andere götter

Stimmen aus dem Gartenunser, diesmal von Lena.

Jetzt haben wir also einen Blog. Das auch noch. Also, dass in mir so dringlich der Wunsch nach krummeren, erdigeren, geschmackvolleren Gurken keimte, das ist natürlich und naheliegend. Ich bin die rohe Natur und ich will Gurken, die auch so sind. Psychologisch betrachtet wird dieses natürliche Bedürfnis jedoch zu einer durchaus komplexen Sache. Das ganze Thema Nachhaltigkeit ist mindestens so komplex und deswegen schwirren mir jetzt Worte wie Permakultur und Anti-Konsumkultur durch den Kopf und am liebsten würde ich schon wieder sagen „ich bin dann mal im Garten“.

Bin ich aber nicht. Wäre ich dort, gäbe es hier kein Problem. Stattdessen entscheide ich mich in diesem Moment, die komplexkomplexkomplexe Begriffswelt der Kultur zu übergehen, und starte eine Direktkonfrontation: Ich rede über Gott. Nein, das Wort verwende ich sonst eher selten. Ich gehe auch nicht zum Gottesdienst. Aber ich komm ganz sicher in den Himmel. Im Sommer hab ich jeden Tag gebetet. Nicht in Worten, wohl aber kniend – zumindest zwischendurch. Ich hab gegraben. Und gepflanzt. Und wachsen lassen, ganz genau so, wie die Natur das vorgesehen hat. Und Ernte-gedankt und gefeiert. Jetzt mal ehrlich: Wäre das nicht der eigentliche Sinn von Gottesdienst?

Ja, ich träume von einer besseren Welt und ich mach mich gern dreckig. Ich hab´s gern ganz einfach und mach´s trotzdem oft zu kompliziert. Ich hab jahrelang versucht, Gott (=diese große Welt!) in schönere Sätze zu kleiden – und jetzt schau ich zu, wie Gott nackt durch den Garten rennt und nichts daran ist kompliziert. Don´t think, just do. In diesem Sinn hat mich der Garten Unser tatsächlich gerettet. Und deshalb sehe ich es nicht als Ironie und schon gar nicht als Blasphemie, einen Garten „Garten Unser“ zu nennen. Im klassischen Vater Unser steckt viel Gutes – wenn man nicht zulässt, sich an ein allzu beschränktes Bild von Göttlichkeit zu halten. Somit ist dieser Name ein Aufruf zur Selbstverantwortung und ein Ausdruck von Respekt. Wofür stehe ich auf in dieser Welt, und wofür knie ich mich hin? Der Garten Unser ist eine Ehrerweisung an ein Stück Erde. Sie ist auch eine Ehrerweisung an uns selbst – bessere Gurken hat keiner. Aber diese Dinge hängen zusammen. Wir alle wünschen uns, ein gewisses Bewusstsein zu schaffen. Dabei geht es weniger um die Worte „Demeter“, „biodynamisch“ oder „Permakultur“, als vielmehr um die Inhalte und um das Bewusstsein, die dahinterstecken.

Wir haben also eine große Mission – so groß, wie jeder hier auf dieser Welt: wir wollen selbst über unser Leben entscheiden und das Beste draus machen. Wir wollen nicht essen müssen, was Monsanto uns auftischt. Ich persönlich möchte auch ganz gern ganz oft glücklich sein. Und aus einem einzelnen Gurkenkern lauter Grünzeug wachsen sehen, daraus dann wiederum jede Menge Gurken ernten – samt neuen Kernen für neue Gurken – und alles das mit Leuten teilen, die ich richtig gerne mag: darin steckt das ganze Leben. Und das macht mich glücklich.

 

Über gartenunser.org :

Da war ein Stück Land, das war schon vor uns da und über den Kopf wachsen wird es uns hoffentlich auch. Wir sind 15, bald 20 und zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang bauen wir an. Viel kommt noch und ein bisschen was passt auch in einen Blog. Wir freuen uns über Reaktionen, Inspirationen – helft uns beim Wachsen!  www.gartenunser.org

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2 Comments

  1. Stefan St sagt:

    Liebe liebe Lenas Worte

  2. RUDHI sagt:

    Schöner Text, LENA! Man kriegt direkt Lust auf Gurken :)

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